Schulethos

„Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun -
das ist die Bestimmung des Menschen.” (Moses Mendelssohn, 1729-1786)

Diese Worte Moses Mendelssohns sind Leitlinie unseres Bildungsauftrages. Im Schuljahr 2015/16 haben wir uns im Rahmen von Diskussionen in den Klassen und den schulischen Gremien auf einen gemeinsamen Nenner von Werten, unser Schulethos, geeinigt. Dieser Konsens bildet das Wertefundament des Leitbilds unserer Schule. Die Schülerschaft, das Lehrerkollegium, die Mitarbeiter und Eltern unserer Schule, fühlen sich dem aufklärerischen Geiste Moses Mendelssohns sowie den folgenden Werten verpflichtet:

1.  מסורת Massoret – Tradition
Wir achten die jüdische Tradition und setzen uns mit ihr intellektuell und praktisch auseinander. Wir wissen um die Bedeutung Israels und der hebräischen Sprache für das jüdische Volk.

Das jüdische Gymnasium versteht sich als Beispiel für lebendiges Judentum in Deutschland. Die Ausprägung der religiösen Handlungen sowie Lehre und Auslegung im Religionsunterricht orientieren sich am Status der Jüdischen Gemeinde zu Berlin als Einheitsgemeinde. Wir engagieren uns für die Stärkung der jüdischen Identität innerhalb unserer pluralistischen Schulgemeinschaft. Unser Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Kulturen und Religionen die jüdischen Traditionen kennen, erfahren und respektieren und sich mit ihnen auseinandersetzen. Das Erlernen der hebräischen Sprache und die Teilnahme am Religionsunterricht bilden hierfür unverzichtbare Bestandteile.

Schüler, Eltern und Lehrer fühlen sich gleichermaßen dem jüdischen Profil der Schule verpflichtet und beteiligen sich aktiv an der Gestaltung des Schullebens, z.B. durch Teilnahme an den Kabbalot Schabbat.

2. כבוד הבריות Kwod haBrijot – Würde aller Geschöpfe
Wir achten die Würde aller am Schulleben Beteiligten, indem wir ihnen mit Respekt, Toleranz und Wertschätzung begegnen.

Ausdruck jüdischen Selbstverständnisses ist es, dass wir als Schule mit Schüler_innen unterschiedlicher kultureller, religiöser, sozialer und sprachlicher Herkunft ein Miteinander anstreben, das von Toleranz und gegenseitigem Respekt geprägt ist. Wir wirken jeglicher Form von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus entgegen. Unsere Schule muss frei von jeglicher Gewalt sein. Deshalb ist uns die Einhaltung von Regeln des Zusammenlebens wichtig; wir fördern daher Selbstdisziplin und Sozialkompetenz.

3. לימוד Limmud – Lernen
Lernen stellt für uns einen hohen Wert dar.

Jede(r) ist für ihr/sein Lernen und das Gelingen von Unterricht mit verantwortlich. In Anlehnung an die vier Kinder der Pessach-Haggada, auf deren unterschiedliche Fragen didaktisch unterschiedliche Antworten gegeben werden, sorgen die Lehrer*innen für differenzierten Unterricht.

Durch unterrichtliche und außerunterrichtliche Angebote streben wir eine umfassende Bildung an, die insbesondere das komplexe Selbstverständnis des Lernens im Judentum reflektiert. Darüber hinaus wollen wir die besonderen Talente und Begabungen unserer Schüler fördern. Der Erweiterung der Sprachkompetenz von Schülern aus nichtdeutschen Herkunftsländern fühlen wir uns in besonderem Maße verpflichtet.

Eigenverantwortliches Lernen, Team- und Kommunikationsfähigkeit gehören zu den wichtigen Schlüsselkompetenzen unserer Gesellschaft. Diese werden neben dem Erwerb von Kenntnissen und Arbeitstechniken gefördert.

4. תיקון עולם Tikun Olam – Verbesserung der Welt
Im Rahmen von Tikun Olam setzen wir uns ehrenamtlich (חסד Chessed) für eine gerechte Welt ein, in der jede(r) zu ihrem/seinem Recht (צדק Zedek) kommt.

Wir wollen jüdische Werte und soziale Fähigkeiten vermitteln und unsere Schüler*innen zu selbstständigen, demokratisch eingestellten Persönlichkeiten erziehen. Als konfessionell gebundene Schule soll das Jüdische Gymnasium die Anlagen unsere Schüler*innen zur vollen Entfaltung bringen und ihnen ein Höchstmaß an Urteilskraft sowie gründliches Können und Wissen vermitteln.

Ziel ist die Herausbildung von Persönlichkeiten, welche fähig sind, der Ideologie des Nationalsozialismus und allen anderen zur Gewaltherrschaft strebenden politischen Lehren entschieden entgegenzutreten sowie das staatliche, gesellschaftliche, soziale und jüdische Leben auf der Grundlage der Demokratie, des Friedens, der Freiheit, der Menschenwürde und der Gleichberechtigung der Geschlechter zu gestalten.

Die Absolventen des Jüdischen Gymnasiums sollen sich der Verantwortung gegenüber der Allgemeinheit und dem jüdischen Volk bewusst sein. Dieses Engagement beginnt in unserem Klassenzimmer und begleitet uns ein Leben lang mit der Übernahme sozialer, politischer und religiöser Verantwortung. Darüber hinaus setzen wir uns ehrenamtlich für andere ein, z.B. in Form von Hilfeleistungen in der Klasse, Schule, Gemeinde und Gesellschaft (חסד Chessed – Nächstenliebe) sowie Hilfsprojekten in Israel und weltweit (צדקה Zdaka).