Jüdische Religionslehre

Das Judentum ist ein grundlegender Bestandteil der abendländischen Kultur. Es hat in seiner Jahrtausende langen Geschichte ein Verständnis vom Menschen entwickelt, von seinem Verhältnis zu sich selbst und zu seinen Mitmenschen, zur Rechtsordnung, zu Staat und Gesellschaft und zur Welt als Schöpfung Gottes, das bis in die Gegenwart hinein prägend gewirkt hat und immer noch wirkt. Vor diesem Hintergrund ist der jüdischen Bibel- und Religionsunterricht als wichtigen Teil öffentlicher Erziehung- und Bildungsbemühen zu verstehen. 

Der jüdischen Bibel- und Religionsunterricht am Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn, einer konfessionell gebundene Schule, geht allerdings davon aus, dass die religiöse Erziehung der Schüler gesetzlich und tatsächlich eine vornehmliche Aufgabe der Eltern ist. Eine solche Erziehung findet in der Familie und in der jüdischen Gemeinde statt. Die Schule hat in erster Linie die Aufgabe, das jüdische Selbstverständnis der Schüler zu entwickeln. Das tut sie einerseits durch systematischen Aufbau von Wissen über die jüdische Existenz in der Gemeinschaft und als einzelner Mensch, dies auf Gegenwart und Vergangenheit bezogen. Andererseits betont das jüdische Lernen die Personwerdung des jungen Menschen als ein wichtiger Teil der jüdischen Lebensführung. Die Auseinandersetzung der Schüler mit ihrer jüdischen Identität bekommt so eine unvergleichlich wichtige Rolle, sowohl persönlich wie auch gemeinschaftlich. Die jüdische Identität ist einer Vielfalt von Vorurteilen ausgesetzt. Sie ist oft mit moralischen Forderungen und mit gemeinschaftlichen Ansprüchen verbunden. Ihre Entwicklung ist von hohen Erwartungen begleitet und eventuell von Konflikten in der nichtjüdischen Umgebung bedroht

Das jüdische Wissen, das zur Bildung der jüdischen Identität erworben werden muss, bezieht sich auf alle Fragen der Lebensführung im individuellen und familiären Bereich wie auch im Bereich der Gemeinde und im öffentlichen Bereich. Dabei sind Weltliches und Religiöses als Einheit anzusehen und entsprechend zu vermitteln. Das heißt, die Maßstäbe, welche die Wahrnehmung des Menschen sensibilisieren und so sein Verhalten im so genannten profanen Alltag regeln, werden im Licht der jüdischen Tradition entwickelt und bestimmt. Der Unterricht muss daher die Vermittlung der jüdischen Tradition stark betonen. Dieses Wissen ist ein integraler Bestandteil der jüdischen Religion und des Bewusstseins des jüdischen Volkes. Aus diesem Verständnis entwickeln sich Begriffe und Praxis, welche die jüdische Identität als historisch eindeutig bestimmt, was wiederum die jüdische Existenz und so die jüdische Tradition bestimmt

Unverzichtbare Bestandteile des oben charakterisierten Wissens sind ausreichende Kenntnisse der Thora und andere biblischen Schriften wie auch Kenntnisse im Bereich der Traditionsliteratur, der jüdischen Philosophie und der Geschichte des jüdischen Volkes. Dazu gehören ebenso untrennbar Grundfähigkeiten und Grundkenntnisse in der hebräischen Sprache. In Erfüllung dieser Vermittlungsaufgaben insgesamt kann die Jüdische Oberschule einen Beitrag dazu leisten, dass die Schülerinnen und Schüler ihre jüdische Identität annehmen und entwickeln können.  

Der Rahmenlehrplan Jüdische Religionslehre ist in der Jüdischen Oberschule Berlin identisch mit dem internen Lehrplan. Den weltlichen Fächern gibt die Senatsschulverwaltung mit dem Rahmenplan einen Rahmen vor, innerhalb dessen das schulinterne Curriculum die Unterrichtsinhalte und zu vermittelnden Kompetenzen konkretisiert. Da der Rahmenlehrplan des Faches Jüdische Religionslehre durch den Fachbereich selbst entwickelt wurde, enthält er bereits konkrete Inhalte und Zielvorgaben, sodass er schon dem schulinternen Curriculum entspricht und alle wesentlichen Aspekten für Unterrichtsinhalt und Unterrichtsmethoden in ausreichendem Maße darlegt. 

Die Lehrerinnen und Lehrer des Fachbereiches Jüdische Religionslehre stehen allen anderen Fachlehrerinnen und Fachlehrer stets für Fragen und Erläuterungen zu religiösen bzw. Religionsphilosophischen Aspekten einzelnen Inhalte der verschiedenen Fächer zur Verfügung. 

Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Religionslehrerinnen beziehungsweise Religionslehrer gemeinsam mit den Fachlehrern den Unterricht gestalten, so dass sowohl fachliche als auch religiöse Aspekte eines Themas behandelt werden können. Darüber hinaus sind im Religionsunterricht nach Absprache mir den anderen Fachbereichen Exkurse möglich, die den Unterricht in anderen Fächern thematisch unterstützt. Als Beispiel sei hier die Evolutionstheorie genannt, die sowohl im Religionsunterricht als auch im Biologieunterricht Gegenstand ist

Der Rahmenplan für die Klassenstufe 7 gilt inhaltlich auch für die Klassenstufen 5 und 6, weil es sich bei den Klassen 5 und 7 in der Regel um Einsteigerklassen handelt, die mit dem Religionsunterricht und gegebenenfalls mit der Religion erst vertraut gemacht werden müssen. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Themenvielfalt, die im Rahmenplan der Klasse 7 aufgelistet ist, auf die beiden ersten Schuljahre im grundständigen Gymnasialzweig aufgeteilt werden kann. Dabei obliegt es der Lehrkraft die Themen entsprechend dem Alter und dem Niveau der Lerngruppe zu reduzieren sowie die Lernmethoden den Erfordernissen der 5. Und 6. Klasse anzupassen. 

Eine Progression im Bereich der Arbeitstechniken und Lernmethoden wird vorausgesetzt. Die 7. Klasse des grundständigen Zweigs wird dann auf das so erworbene Wissen aufbauen und Themen vertiefend behandeln. Dabei steht die Weiterentwicklung von Arbeitstechnikenund Lernmethoden im Vordergrund. 

Eh-12/12

Information zum Leistungskurs Jüdische Religionsphilosophie

In unserer Schule lernen Schüler das Fach „Jüdische Religionsphilosophie“ erst im ersten Semester kennen. Für Leistungskursbereich als zweites Prüfungsfach sind vier Semester vorgesehen, die zum Abitur führen.  In jedem Semester steht ein bestimmtes Thema im Zentrum des Interesses.  Schematisch betrachtet ist die Einteilung die folgende:
Semester I:    Das jüdische Gottesverständnis
Semester II:   Das Menschenverständnis des Judentums
Semester III:  Mystik und Rationalität
Semester IV:  Auseinandersetzung mit der Schoa und ihrer Folgen

Es handelt sich um fünf wöchentliche Stunden. In jedem Semester werden zwei Klausuren geschrieben. 
Die für die schriftliche Abiturprüfung relevanten Semester sind die ersten drei. Es handelt sich um unterschiedliche Aspekte des Judentums, die für dessen rechtes Verständnis wichtig sind. Dabei begegnen die Schüler der philosophischen Denkweise und lernen, diese zu verstehen. Im Zentrum der Semesterarbeit stehen einerseits die Textanalyse und andererseits die Rekonstruktion des Inhalts der Texte. Diese Arbeitsweise ermöglicht nicht nur die Aneignung von Information, sondern will die Schüler näher zu sich selbst führen. Die Beschäftigung mit einer Religion wie der des Judentums, mit dem religiösen Glauben und mit der religiösen Erfahrung ist nicht nur die Beschäftigung mit zentralen Angelegenheiten der Weltgeschichte, sondern vor allem die Beschäftigung des Menschen mit sich selbst. Dies konkret zu verdeutlichen will der Leistungskurs erreichen.

Eh-11/13